Synagogale Neuordnung

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts verloren die traditionellen jüdischen Autoritäten zunehmend an Einfluss. Die Struktur der traditionellen kehila (jüdischen Gemeinde) veränderte sich maßgeblich. Bei der Neugestaltung der Gemeindeorganisation, der Erziehung und der religiösen Führung spielten Initiativen der Landesregierungen wie der Juden selbst eine Rolle. In Preußen wurden Gemeinden mit ehemals körperschaftlichem Status mit den Reformen von 1812 zu „erlaubten Privatgesellschaften“ und hatten somit keinen Anspruch auf staatliche Unterstützung. Rabbiner galten im Unterschied zu christlichen Klerikern nicht als Geistliche. Dies zielte auf die Erwartung, dass die Gemeinden, wenn man ihnen offizielle Anerkennung und staatlichen Beistand versagte, schließlich auseinanderfallen und Juden vermehrt zum Christentum übertreten würden. Bei der Neuorganisation des jüdischen Kultuswesens im gesamten Siegkreis waren die Vorschläge Isaac Bürgers ausschlaggebend: Alle Synagogen wurden zu einer einzigen korporativ selbstständigen Gemeinde zusammengefasst. Die von Isaac Bürger erarbeitete Satzung für die neu gebildete Gesamtgemeinde wurde auf ausdrücklichen Wunsch der Bezirksregierung zum Vorbild für alle übrigen Synagogenbezirke des Rhein-Sieg-Raumes.