Orthodoxes Judentum

Die Ausformung einer neuen jüdischen Orthodoxie geht auf die Konfessionalisierung des europäischen Judentums im 19. Jahrhundert zurück. Eine strenge Form der Auslegung des jüdischen Religionsgesetzes entwickelte sich als Reaktion auf die weitreichenden Reformbewegungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaften. Wenngleich sich auch orthodoxe Rabbiner in ihrer Kleidung und der Einführung regelmäßiger Predigten in den Landessprachen anpassten, galten ihnen die jüdischen Gesetze als göttliche Offenbarung und waren damit unveränderlich. Insbesondere die Speise- und Schabbatgesetze wurden weiterhin streng befolgt. Die Gebete sprach die Gemeinde weiterhin in Hebräisch und die Feiertage befolgte man ohne Einschränkungen. Der Vordenker der neuen Orthodoxie war Samson Raphael Hirsch (1808-1888). Er setzte im Preußischen Landtag das „Austrittsgesetz“ durch, das es orthodoxen Jüdinnen und Juden erlaubte, sich von den Gesamtgemeinden zu trennen, die Hirsch als liberal dominiert ansah. In Frankfurt entstand bereits in den fünfziger Jahren des 19.Jahrhunderts die erste orthodoxe Synagoge. Zwischen Reformern und Orthodoxen bildete sich eine moderate Mittelgruppe, die sich selbst als „positiv-historisch“ bezeichnete und heute „konservativ“ genannt wird.